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KI-Inhalte und SEO: Google sucht nicht nach KI, sondern nach Inhalten ohne Nutzen
SEO / GEO

KI-Inhalte und SEO: Google sucht nicht nach KI, sondern nach Inhalten ohne Nutzen

Google bestraft einen Text nicht, weil er mit KI geschrieben wurde. Es sortiert Seiten aus, die nichts beitragen, und das ist eine ganz andere Frage.

Autor Samuel Dahan Samuel Dahan
Managing partner
Datum
Lesezeit 6 Min. Lesezeit
Thema SEO / GEO

Ein Blogartikel, eine Produktseite, ein Newsletter, eine auf ein Keyword optimierte Seite: Früher brauchte man für all das Stunden. Heute liefern ChatGPT, Claude oder Gemini es in wenigen Sekunden. Viele Unternehmen sind deshalb versucht, mehr zu publizieren, oft sogar viel mehr. Fast alle stellen dann dieselbe Frage: Erkennt Google, ob ein Text von einer KI stammt, und straft es ihn ab?

Die Antwort lautet nein. Entscheidend ist aber eine andere Frage: Sagt Ihr Inhalt etwas, das man nicht schon überall sonst im Web findet?

Was Google tatsächlich abstraft

Ein Irrglaube hält sich hartnäckig. Google hat nie gesagt, dass es Inhalte herabstuft, weil sie mit KI geschrieben wurden. Schon im Februar 2023 hat die Suchmaschine ihre Position klargestellt: Bewertet wird die Qualität eines Inhalts, nicht die Art, wie er entstanden ist.

Im März 2024 hat Google eine Spam-Richtlinie zum «Scaled Content Abuse» eingeführt. Gemeint ist die massenhafte Produktion von Seiten, die vor allem das Ranking beeinflussen und nicht den Nutzern helfen sollen. Die Richtlinie hält fest, dass sie unabhängig von der Produktionsmethode gilt, ob Automatisierung, menschliches Schreiben oder eine Mischung aus beidem.

Die im Januar 2025 aktualisierten Richtlinien für Googles Qualitätsbewerter gehen in dieselbe Richtung. Sie verlangen die tiefste Bewertung für Seiten, deren Hauptinhalt mit wenig Aufwand, wenig Originalität und wenig Mehrwert automatisch generiert wurde. Im Visier steht also die Automatisierung ohne Mehrwert, nicht das Werkzeug. Ein mittelmässiger Text von einem Menschen bleibt mittelmässig, und ein solider Text, der mit Hilfe einer KI entstanden ist, bleibt solide. Problematisch wird es erst, wenn die KI nur noch Masse produziert, ganz ohne redaktionelles Denken.

Das eigentliche Risiko: austauschbar werden

Stellen Sie fünf Assistenten dieselbe Frage: «Welche Vorteile bringt eine Content-Strategie für ein Unternehmen?» Sie erhalten fünf saubere, gut aufgebaute und nahezu identische Antworten: Sichtbarkeit, Bekanntheit, Traffic, Engagement, Vertrauen, Conversion. Nichts davon ist falsch. Aber auch nichts davon ist nützlich, denn Tausende Seiten sagen bereits dasselbe.

Vor allem eines hat generative KI verändert: Gut schreiben ist nicht mehr selten. Ein fehlerfreier Text mit H2-Titeln und Aufzählungen, der um ein Keyword herum aufgebaut ist, ist kein besonderes Können mehr. Er ist der Ausgangspunkt. Die Herausforderung liegt nicht mehr darin, Inhalte zu produzieren, sondern Inhalte, die es wert sind, gelesen zu werden.

Das Ende des Mengenwettlaufs

Lange Zeit haben die Kosten Content-Strategien gebremst. Fünfzig Artikel bedeuteten Hunderte Arbeitsstunden. Heute kann ein Unternehmen sie an einem einzigen Tag generieren. Doch wenn alle das können, warum sollte Google ausgerechnet Ihre fünfzig Artikel vor denen der anderen zeigen?

Google weist darauf hin, dass die Massenproduktion von wenig originellen Inhalten ohne Mehrwert die Sichtbarkeit einer Website senken und sogar dazu führen kann, dass einzelne Seiten aus dem Index verschwinden. Immer mehr zu publizieren stösst also schnell an Grenzen. Die Frage ist nicht mehr, wie viele Artikel man veröffentlichen kann, sondern zu wie vielen Themen man wirklich etwas zu sagen hat.

Einzigartig heisst nicht originell

Das ist eine weitere häufige Verwechslung. Ein Text kann jede Plagiatsprüfung bestehen, ohne etwas Neues zu bieten. Wer zehn Artikel der Konkurrenz umformuliert, erhält eine Zusammenfassung, keinen Mehrwert.

Originalität entsteht aus den Informationen, die Sie einbringen: eine interne Kennzahl, die sonst niemand hat, eine Rückmeldung von Kunden, eine begründete Position, ein konkreter Fall, die Einschätzung einer internen Fachperson, ein Vergleich, den noch niemand gemacht hat, eine Grafik auf Basis öffentlicher Daten, ein Problem aus der Praxis. Oder ganz einfach eine klarere Antwort als alle anderen auf eine komplizierte Frage. Der Rohstoff von Inhalten ist nicht mehr der Text. Es ist die Information.

KI soll die Arbeit beschleunigen, nicht das Denken ersetzen

Richtig eingesetzt ist KI ein sehr nützliches Werkzeug für ein Redaktionsteam. Sie hilft, ein Thema zu strukturieren, Unterlagen zu analysieren, Blickwinkel zu erkunden, verwandte Fragen zu erkennen, eine schwierige Passage umzuformulieren oder mehrere Artikelgliederungen zu vergleichen.

Wer sie hingegen um «einen SEO-Artikel mit 1500 Wörtern zur beruflichen Vorsorge» bittet und diesen unverändert veröffentlicht, lässt genau den Teil der Arbeit weg, der heute am meisten Wert hat: das Denken. KI kann sehr gut eine plausible Antwort liefern. Aus sich heraus weiss sie aber nicht, warum gerade Ihr Unternehmen glaubwürdig über dieses Thema sprechen kann.

KI-Detektoren schauen an die falsche Stelle

Mit der generativen KI kamen auch die KI-Detektoren und ihre Werte wie «83 % menschlich» oder «96 % KI». Lange wirkten diese Zahlen wissenschaftlich, ohne es wirklich zu sein. OpenAI hat 2023 sogar den eigenen Detektor zurückgezogen, weil er nicht genau genug war.

Pangram.com hat das geändert. Das Tool wurde 2023 in Brooklyn von Max Spero und Bradley Emi lanciert und gilt heute als eines der zuverlässigsten auf dem Markt. 2025 zeigte eine Studie der University of Chicago, dass es deutlich besser abschnitt als die Konkurrenz und bei längeren Texten praktisch keine falsch positiven Ergebnisse lieferte. Im selben Jahr stellten Forschende der University of Maryland, der UMass Amherst und von Microsoft fest, dass es mit einem Panel menschlicher Bewerter mithalten konnte, die mit Sprachmodellen vertraut sind. Bekannt wurde Pangram auch, weil es meldete, dass rund 21 % der Gutachten zu den bei der Konferenz ICLR 2026 eingereichten Artikeln von KI generiert worden waren. Das Tool hat allerdings Grenzen: Bei kurzen Texten, bei den neusten Modellen und bei Inhalten, die nur teilweise mit KI erstellt wurden, ist es weniger zuverlässig.

Aber auch ein zuverlässiger Detektor bleibt ein Detektor. Pangram kann Ihnen mit guter Wahrscheinlichkeit sagen, dass ein Text von einer Maschine stammt. Ob dieser Text nützlich ist, sagt es Ihnen nie. Und genau das ist die einzige Frage, die Google interessiert.

Google will nicht wissen, ob ein Mensch die Sätze getippt hat. Es will Inhalte aussortieren, die seine Ergebnisse manipulieren sollen, sowie Seiten, die am Fliessband entstehen und den Lesenden nichts bringen. Seine Richtlinien nennen generative KI zwar ausdrücklich als eines der Werkzeuge, mit denen solche Seiten erstellt werden können. Bestraft wird aber der fehlende Mehrwert, nicht die Herkunft des Textes.

Einen Artikel so lange zu überarbeiten, bis er von «70 % menschlich» auf «95 % menschlich» steigt, ist deshalb keine SEO-Strategie. Es kann sogar schaden, wenn Sie einen klaren Text verschlechtern, nur um eine Software zu täuschen. Ein Artikel, der als KI erkannt wird, aber viele neue Informationen enthält, hat bessere Chancen auf ein gutes Ranking als ein «zu 100 % menschlicher» Text, der wiederholt, was zehn Konkurrenten schon sagen.

SEO im Zeitalter der Informationsknappheit

Jahrelang beruhte SEO auf einer einfachen Idee: ein Keyword finden, die passende Seite erstellen und besser antworten als die Konkurrenz. KI hat einen grossen Teil dieser Knappheit beseitigt. 1500 Wörter zu produzieren ist kaum noch etwas wert. Entscheidend ist, was in ihnen steckt.

Paradoxerweise verschafft das Unternehmen mit echter Fachkompetenz einen klareren Vorsprung als früher. Ihr Verkaufsteam hört jede Woche die Einwände der Kundschaft. Ihre Beraterinnen und Berater lösen konkrete Probleme. Ihr Kundendienst weiss, welche Fragen immer wieder kommen. Ihre Geschäftsleitung sieht, wie sich der Markt verändert. Ihre internen Daten zeigen manchmal Dinge, die noch niemand veröffentlicht hat.

Das ist der Rohstoff einer modernen Content-Strategie. KI kann ihn anschliessend in Artikel, Interviews, Studien, Newsletter, Videos, LinkedIn-Beiträge oder Verkaufsseiten umwandeln. Den Rohstoff selbst kann sie aber nicht ersetzen.

Weniger publizieren, mehr sagen

KI bedeutet nicht das Ende des Schreibens fürs Web. Sie lässt aber nach und nach eine bestimmte Art verschwinden, fürs Web zu schreiben: Texte zu produzieren, weil ein SEO-Tool sagte, dass es welche braucht. Google verschärft seine Regeln gegen Inhalte, die in erster Linie für Rankings erstellt werden, weiter, vor allem wenn die Automatisierung ihre Massenproduktion ermöglicht.

Für Marken ist die Schlussfolgerung einfach. Es geht nicht darum, so zu schreiben, als gäbe es keine KI, sondern darum, sie zu nutzen, ohne austauschbar zu werden. Wenn jeder in dreissig Sekunden einen Artikel generieren kann, macht das Publizieren keinen Unterschied mehr. Den Unterschied macht, wer etwas zu sagen hat.

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